UNSER MARKTKOMMENTAR

Seitdem haben wir Ihnen 3 Sondernewsletter zur Verfügung gestellt, um Ihnen unsere Einschätzung der Lage aufzuzeigen. Der IWF prognostizierte in seinem Herbstgutachten 2019 für das Jahr 2020 ein weltweites Wachstum von 3,4 %. Inzwischen hat der IWF das korrigiert, es werden -3 % erwartet. Eine der ganz großen Fondsgesellschaften schätzte noch Anfang Februar ein, dass das Corona-Virus nur eine sehr lokale Wirkung in China haben wird und die wirtschaftliche Entwicklung der Welt kaum beeinflusst. Doch dann ging alles sehr schnell. Mitte Februar freuten wir uns über neue Höchstkurse im Dax, vier Wochen später hatte er davon wieder 41 % verloren – ein solcher Absturz in so kurzer Zeit, das gab es noch nie.

In unseren Sondernewslettern sind wir jeweils aktuell auf viele Aspekte der Krise eingegangen. Betrachten wir nun die Lage Ende Juni 2020 und werfen einen Blick auf die Prognosen für das zweite Halbjahr. Nachdem der Lockdown bei uns und in vielen anderen Ländern wieder stark gelockert wurde, fühlt es sich ein wenig so an, als wäre die Corona-Krise vorbei. An den Aktienbörsen hat sich die Stimmung sehr schnell gedreht, viele Marktteilnehmer haben im großen Stil gekauft. Sie haben diesen Absturz eher als Chance gesehen, vor allem, da die Kurse nicht wegen großer Strukturprobleme oder wirtschaftlicher Fehlentwicklung eingebrochen sind, sondern auf Grund exogener Faktoren. Der Mut, bzw. diese Einschätzung wurde belohnt, wir sind heute im Dax und im S&P 500 nur noch ca. 11-12 % unter den alten Höchstkursen von Mitte Februar. Aber vielleicht war es nicht nur Mut, sondern auch die Not vieler institutionelle Anleger (Pensionskassen, Fonds, Versicherungen, …), denn sie müssen investieren. Die EZB hält den Leitzins weiter bei 0 % und auch die amerikanische FED hat während der Corona-Krise die Zinsen auf 0 - 0,25 % reduziert. Wohin also mit dem Geld, wo gibt es noch etwas zu verdienen? Übrigens, wenn wir uns die Kommentare von vielen Analysten anschauen, können wir davon ausgehen, dass auch heute noch sehr viel Bargeld darauf wartet, investiert zu werden. Nicht alle am Markt haben die Einschätzung geteilt, dass die Kurse sich schnell erholen werden. Viele warteten auf einen weiteren Rückschlag auf Grund einer zweiten Welle bei der Pandemie. Auch das Gold hat von der Krise profitiert. Im März gaben Kurse nach, aber schon im Mai hatten wir auf EURO-Basis neue absolute Höchstkurse. Das Gold als den Gewinner der Corona-Krise zu betrachten ist dabei sicher nicht ganz richtig, denn der Preis stieg tendenziell bereits seit Juli 2018.

In Europa und den USA, aber auch in vielen anderen Ländern, sind Unmengen an Geld für Konjunkturprogramme bereitgestellt worden. Wir haben das bereits in der Finanzkrise und in der EURO-Krise erlebt. Nur wurden dieses Mal die Geldschleusen einvernehmlich noch weiter geöffnet. Die Wirtschaft und die Zuversicht der Menschen sollen damit gestärkt werden. Bisher funktioniert das sehr gut. Leider wachsen auch die Schulden. Müssen wir dann nicht auch eine deutlich höhere Inflation befürchten? Wenn wir in alten Volkswirtschaftslehrbüchern nachschlagen – ja. In der Praxis sieht das anders aus. Aktuell werden von vielen Volkswirten eher deflationäre Tendenzen befürchtet. Die neuesten Inflationszahlen geben ebenfalls keinen Grund zur Sorge. Dr. Jens Ehrhardt von der Fondsgesellschaft DJE Investments gab am Jahresanfang die Dax-Prognose 16.000 Punkte heraus. In einem aktuellen Beitrag bestätigt er die Prognose (heute 12.200 Punkte). Und er ist nicht der Einzige mit so optimistischen Prognosen.

Auch ihm sind natürlich weitere mögliche Störfaktoren, wie Brexit, Handelskonflikte und andere bekannt. Trotzdem gibt es ein großes Vertrauen in die Wirtschafts- und Innovationskraft in der Welt.  Ach ja, noch ein Wort zu den ESG-Kriterien. In unserem Newsletter aus dem Dezember sind wir auf die wachsende Bedeutung eingegangen. Das G in der Bezeichnung ESG steht für Governance – alles, was mit einer korrekten Unternehmensführung im Zusammenhang steht. Ein großer Fonds aus Deutschland, der streng nach den ESG-Kriterien seine Investitionen auswählt, hatte bis zum März große Positionen in Wirecard. Nachdem die Firma aber keinen Jahresabschluss vorlegen konnte und den Termin dafür mehrfach verschob, verkaufte sie die Position. Das Verhalten von Wirecard entsprach nicht einer korrekten Unternehmensführung. Gut, dass sie ihre eigenen Kriterien ernst genommen haben. Was lehrt uns das? Man sollte seinen eigenen Grundsätzen, seiner eigenen Anlagestrategie treu bleiben, egal, wie hektisch es gerade an den Märkten zugeht.

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